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Ist die KI das Ende der OR-Tools?

5. Februar 2026 durch
Ist die KI das Ende der OR-Tools?
Martin Lummertzheim

Diese Frage provokant zu stellen, ist heute notwendiger denn je. In einer Zeit, in der Large Language Models (LLMs) scheinbar jedes Problem durch reine Mustererkennung lösen, stellt sich für Unternehmen eine essenzielle Frage: Brauchen wir überhaupt noch klassische mathematische Optimierung?

Die Antwort lautet: Ja, dringender denn je. Aber ihre Rolle verändert sich fundamental.

Was sind OR-Tools eigentlich?

Google OR-Tools ist eine spezialisierte Bibliothek für Operations Research. Während LLMs probabilistisch arbeiten, basieren Solver auf absoluter mathematischer Präzision. Sie lösen komplexe kombinatorische Puzzles – etwa in der Logistik, der Produktionsplanung oder dem Ressourcenmanagement – und finden aus Millionen von Möglichkeiten das globale Optimum.

Ein konkretes Beispiel für den Impact:

Ein LLM kann vorschlagen, welche Kundenaufträge aufgrund der aktuellen Marktlage priorisiert werden sollten. Die OR-Tools entscheiden im nächsten Schritt, ob diese Priorisierung unter Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, der Maschinenkapazitäten und der Lieferfristen überhaupt physisch umsetzbar ist.

Warum KI allein nicht ausreicht

KI-Modelle sind kreativ, aber nicht deterministisch. Sie können halluzinieren und garantieren keine Regeltreue. In einem Umfeld, in dem Gesetze, technische Kapazitäten oder vertragliche Grenzen über Erfolg und Scheitern entscheiden, ist „fast richtig“ schlichtweg falsch.

Die hybride Architektur als Enterprise-Standard

In modernen Systemen, wie wir sie beispielsweise für Odoo-Umgebungen entwickeln, setzen wir auf eine strikte Aufgabenteilung:

  • Der Predictive Layer (KI): Er analysiert unstrukturierte Daten und erkennt Trends. Er liefert die Prognosen und transformiert weiche Faktoren in gewichtete Parameter.
  • Der Deterministic Layer (OR-Tools): Er nimmt diese Inputs auf und berechnet einen Plan, der mathematisch beweisbar korrekt ist. Er garantiert, dass keine einzige Regel verletzt wird.

Fazit

Die KI ist nicht das Ende der OR-Tools, sondern ihr wichtigster Datenlieferant. Wer heute professionelle Business-Software baut, nutzt die KI für die Intuition und die OR-Tools für die eiskalte Logik. Erst diese Kombination macht Systeme wirklich intelligent und gleichzeitig absolut verlässlich.